minifitzchen

Was dein Baby in den ersten Wochen wirklich sieht

Neugeborene sehen die Welt in Kontrasten und Schatten. Eltern, die das wissen, erleben die ersten Wochen intensiver und können die Sehentwicklung ihres Babys bewusster begleiten.

Du hältst die Kontrastkarte mit dem schwarzweißen Muster und dein Baby hört auf zu strampeln. Seine Augen sind noch etwas träge, etwas schwer und der Blick wandert ganz langsam zum Muster. Es schaut hin und betrachtet das Muster – gespannt und ruhig.

Was ein Neugeborenes in den ersten Tagen wirklich wahrnimmt

Neugeborene Babys sehen nicht so, wie wir die Welt sehen. Das visuelle System ist zwar intakt, aber noch nicht ausgereift: Die Sehschärfe ist sehr gering und Farben können zu Beginn nicht unterschieden werden. Zu diesem Zeitpunkt kann das Gehirn die ankommenden Informationen noch nicht verarbeiten und die Welt erscheint verschwommen.1

Was ein Neugeborenes aber schon wahrnimmt: Starke Kontraste; Hell gegen dunkel; Klare Kanten. Kontrastreiche Muster, in denen sich etwas abhebt. Das unscharfe Gesicht der Eltern, aber erkennbar durch die Konturen und Bewegung.

Das erscheint für uns erst einmal sehr wenig, ist aber für dein Kind überwältigend. Das was es wahrnimmt ist der erste Eindruck von unserer Welt.

Und es bedeutet: Was du deinem Baby in diesen ersten Wochen zeigst, wird wahrgenommen. Vielleicht nicht so wie du es sehen kannst, aber es wird wahrgenommen und trainiert das Sehen deines Kindes.

Warum Schwarz-Weiß vor Bunt kommt — und was das über das Gehirn verrät

Das Auge eines Neugeborenen hat noch keine vollständig ausgereiften Zapfen. Diese Zapfen sind die Rezeptoren in unseren Augen, welche für die Farbwahrnehmung zuständig sind. Was in dieser Zeit aber bereits gut funktioniert sind die Stäbchen. Diese lassen uns die Helligkeit und den Kontrast wahrnehmen.

Was heißt das für dich in der Praxis? Ein stark kontrastreiches, schwarzweißes Muster wird von einem Neugeborenen viel besser und deutlich klarer wahrgenommen, als z.B. ein Mobile mit knallbunten Tieren über dem Bett.

Das ändert sich allerdings bereits nach ein bis zwei Monaten, wenn die Farbwahrnehmung sich zu entwickeln beginnt. Das Baby beginnt auf kräftige Farben wie rot und gelb zu reagieren und erkennt zunehmend Gesichter. Der Blick fängt an der Bewegung zu folgen und der Blickkontakt beginnt länger zu werden. 2

Was Eltern in dieser Phase beobachten können — und was es bedeutet

Es gibt einen Moment den viele Eltern gerne beschreiben, wenn sie von ihrem Kind erzählen: Das erste Mal wenn das Baby einen bewusst anschaut.

Nicht der vage Blick ins Leere, als wäre man unsichtbar und das Kind reagiert nur auf Geräusche wie atmen, sondern der fokussierte Blick auf ein Muster, auf ein Gesicht, auf etwas, das klar und kontrastreich genug ist, um für längere Zeit fokussiert zu werden. Dieser Moment dauert manchmal nur Sekunden. Aber er ist unverkennbar und anders als alles davor.

Jemand beschrieb es in einem Forum so: An der Wiege war eine Kontrastkarte befestigt die zunächst unbeachtet blieb. Dann, von einem auf den anderen Morgen schaut das Baby das Muster fast zehn Minuten lang an. Zehn Minuten, in denen es wirklich nirgendwo anders hinschaut. Das war das erste Mal, dass das Baby die Welt bewusst wahrgenommen hat.

Das ist keine Übertreibung sondern was passiert, wenn das Gehirn beginnt zu verarbeiten was das Auge sieht.

Muster, Formen, Gesichter — was ein Baby am stärksten anspricht

In den ersten Wochen reagieren Babys am stärksten auf hohe Kontraste und klare Formen mit definierten Rändern. Das können auch nur stilisierte Gesichter sein, mit zwei Punkten für Augen und einem Strich für den Mund. Oder die leichte Bewegung des Schattens eines blätterreichen Astes von einem Baum. Diese starken Kontraste halten die Aufmerksamkeit des Kindes deutlich länger als ein festes, statisches Motiv.

Das heißt aber nicht, dass du dein Kind mit Schwarz-Weiß-Karten oder Schattenspielen überfluten solltest. An dieser Stelle ist weniger mehr: Kurze Intervalle von Mustern und Kontrasten die dein Kind wirklich sehen kann.

Die Kontrastkarten & Muster App stellt über hundert wissenschaftlich inspirierte Muster bereit, für dich geordnet nach dem Entwicklungsmonat deines Kindes, mit PDF-Export (Premium Funktion) zum Ausdrucken für zuhause. Nicht als Pflicht, sondern als Auswahl, wenn du über das einzelne Schwarz-Weiß-Muster hinaus suchen möchtest.

Drei Monate später — was sich verändert, und wie du dabei bist

Mit etwa zwei bis drei Monaten verändert sich vieles auf einmal: Das Baby beginnt zu lächeln wenn es dein Gesicht sieht und dich wieder erkennt. Es beginnt deine Augen zu verfolgen und hält den Blickkontakt länger zu dir. Es beginnt deutlicher auf Farben zu reagieren.

Diese Phase ist deutlicher und sichtbarer als die der ersten Monate und sie bekommt mehr Aufmerksamkeit. Das erste Lächeln deines Kindes wird fotografiert, geteilt, kommentiert.

Aber alles was davor passiert ist deshalb nicht weniger wichtig, sondern die Basis für alles was danach kommt. Das langsame Aufbauen der Sehschärfe, Fokus und der Fähigkeit einem Muster zu folgen, das alles erscheint einem nicht sichtbar, aber es passiert.

Und dann bleiben noch die Momente, in denen du mit dabei warst, z.b. als dein Baby ein Muster zum ersten Mal bewusst angeschaut hat, oder als es das erste Mal klar auf dein Gesicht reagiert hat. All die kleinen erlebten Meilensteine in den ersten Wochen und Monaten, die du mit deinem Kind erlebst. Alle diese Momente gehen verloren, wenn du sie nicht irgendwann aufgeschrieben hast.

Wenn du nicht nur die Sehentwicklung deines Kindes begleiten möchtest, sondern auch die ersten kleinen Meilensteine, Wörter und die Sprache des Kindes festhalten möchte, findest du hier mehr dazu.


Du musst nichts kaufen, um dein Kind in den ersten Wochen gut zu begleiten. Du musst nur wissen was in dieser Entwicklungsphase mit deinem Kind passiert — und einfach dabei sein und den Moment genießen wenn es passiert.

  1. Nach der Geburt beträgt das visuelle Verständnis eines Neugeborenen maximal 3% eines Erwachsenen (vgl. aumedo.de). In den
    ersten Lebenswochen ist das Sehen auf eine Entfernung von etwa 20 bis 30 cm beschränkt und noch sehr unscharf (vgl. hipp.de). ↩︎
  2. Erste kräftige Farben (wie Rot und Gelb) werden zwar schon früh wahrgenommen, aber ein ausdifferenziertes Farbsehen und das
    Unterscheiden weiterer Farben wie Blau und Lila entwickeln sich maßgeblich im zweiten Lebensmonat (ab der 7. bis 8. Woche).
    Innerhalb der ersten zwei bis drei Monate nimmt auch die Sehschärfe stetig zu (vgl. babelli.de, hipp.de). ↩︎

Alle Beiträge